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Karfreitagstanz. Über den Sinn und Unsinn von Feiertagen

13.04.2013 von Heinz Schüttler

Über den Sinn und Unsinn von Feiertagen.

Heinz Schüttler, April 2013

Der Karfreitag erinnert uns an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus.

Am Karfreitag herrscht daher Tanzverbot.  

Dies erbost in regelmäßigen Abständen die Menschen die mit christlichen Traditionen wenig am Hut haben und damit ihre Freiheitsrechte eingeschränkt sehen. Kirchliche Feiertage sind durch staatliche Maßnahmen geschützt. Hier sanktioniert der Staat eine von der Kirche unerwünschte Verhaltensweise und setzt sie für die gesamte Bevölkerung um. Dies weckt den Eindruck, dass die Kirche sich hinter dem Staat versteckt und diesen vorschiebt, um ihre Interessen durchzusetzen. 

Welche Haltungen stecken dahinter?

Geht es um Freiheit oder geht es um den Sinn oder Unsinn von Feiertagen?

Wird hier gar die christliche Ausrichtung eines Landes oder vielleicht sogar ganz Europas in Frage gestellt?

Hat das Christentum seine strukturierende Kraft verloren? Wie sehen die Alternativen aus? 

Auf den ersten Blick sehe ich ein Dilemma. Der Staat scheint seinen Verpflichtungen der Gleichberechtigung aller Bürger nicht nachzukommen.

Andererseits scheint die Kirche hier ihren Einfluss zu missbrauchen, und damit die Gestaltungsmöglichkeiten und die Freiheit anderer indirekt einzuschränken.

Die Wirksamkeit der christlichen Kultur sollte daran gemessen werden, inwieweit sie Menschen Freiräume zur kreativen Entfaltung ihrer Person, ihres Lebens und ihrer Berufung schafft. Dazu gehören meiner Meinung nach auch besonders die geschützten Bereiche, die Wochenenden und Feiertage bieten. Sie – und die mit ihnen einhergehenden Ruhezeiten – erinnern uns immer wieder, wie wichtig es ist, menschliches Leben aus der Verfügbarkeit anderer Menschen herauszunehmen. Vielmehr gilt es Räume zu schaffen, die menschlicher Verfügbarkeit entzogen sind und den Beteiligten eigene, kreative Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten bieten. 

Tanzen ist solch ein Raum, eine durchaus lobenswerte Freizeitbeschäftigung. Sie dient nach einem stressigen Arbeitsalltag der Fitness, der Erholung, der Regeneration. Dies ist durchaus zu begrüßen und zu befürworten. Regeneration der Leistungsfähigkeit stellt nämlich bei den Anforderungen des heutigen Arbeitslebens eine durchaus wichtige Komponente dar. Wer möchte sich da schon gerne von einer Kirche vorschreiben lassen, sich nicht erholen zu dürfen?

Die ständige Leistungsbereitschaft stellt in der Arbeitswelt heute ein sehr hohes Gut dar. Wir hören, wie wichtig es ist, im Wettbewerb die Vorteile zu nutzen und zu erhalten. Verlust dieser Wettbewerbsfähigkeit und auch der Leistungsfähigkeit ängstigt, da in Folge dessen sozialer Abstieg und existentielle Probleme drohen. So kann mit dem Verlust der Erholungsmöglichkeit eine Atmosphäre der Angst entstehen, die von den Beteiligten als Druck, als Stress oder gar als Entmündigung wahrgenommen wird. 

Hier wird natürlich der wirtschaftliche Erfolg zum alles dominierenden Faktor. Denn diesem ist möglichst alles unterzuordnen. 

Ähnliches geschieht zum Beispiel, wenn Staaten in kriegerische Auseinandersetzungen eintreten und alle wirtschaftlichen Anstrengungen und Lebensvollzüge auf einen endgültigen Sieg hin ausgerichtet werden. Wir Deutschen kennen dafür auch das hässliche Wort „Gleichschaltung“.

Man kann sich also durchaus fragen, ob solche gut gemeinten Ansprüche an die Freiheit nicht den Befürwortern von Ausbeutung Vorschub leisten? 

Erinnern wir uns noch an die Diskussion zur Abschaffung des Buß- und Bettages? Hier ging es um die Steigerung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Wohin ist denn diese neugewonnene Wirtschaftskraft gewandert? Was ist mit all dem Geld passiert, das erwirtschaftet werden konnte? Ist es möglich, dass es in riskanten Spekulationen verzockt wurde? Haben wir sozial schwächere Menschen dadurch besser stellen können, oder sind Zuwendungen an Schulen oder andere Einrichtungen gewachsen? Haben wir dadurch die Not in unserem Land lindern können? 

Insofern mag man sich ernsthaft fragen, worüber der Streit geht?

Eine solide geführte Diskussion um Grundwerte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens wäre sicherlich angebrachter als restriktive Durchsetzungspolitik eines Tanzverbots. Kirchliche Einrichtungen stehen doch durch ihre Lohnpolitik und in ihrer Anbiederung an staatliche Vorgaben nicht gerade als herausragendes Beispiel dafür, sich um die existenzielle Sicherheit ihrer Beschäftigten zu sorgen. Vielmehr beteiligen sie sich viel zu sehr an diesem Tanz ums goldene Kalb.

Aus biblischen Quellen wissen wir, dass es damals, am ersten Karfreitag, auch schon Menschen gab, deren Feierlaune kaum Grenzen kannte ob ihres gelungenen Streichs gegen Jesus.

Die Kirchen sollten aus innerster und heiligster Überzeugung Menschen dazu ermuntern, eine stille Zeit einzuhalten, sollten den Sinn vermitteln, Ruhe zu halten. Sie sollten sich auch nicht Dritter bedienen, um Menschen in ihren Freizeitmöglichkeiten einzuschränken. 

Dies kann jedoch nur in einem direkten Dialog und in einem Austausch mit Andersdenkenden geschehen, wenn man sich dem stellt.

Dazu müsste die Kirche einige ihrer Selbstverständlichkeiten aufgeben. Sie scheint sich aber ängstlich an ihren Pfründen und Besitztümern festhalten zu wollen. Damit lassen sich auf Dauer keine Sympathiepunkte gewinnen und so kann auch keine Botschaft, wie froh sie auch sei, verkündet werden. Wenn die Kirchen nicht mehr dafür sorgen, dass Menschen ihre Potenziale entdecken und in Wohlbefinden diese umsetzen und ihr Leben gestalten, tun wir es in den Seminaren der Academia Aurata.

Denn ich glaube, dass die Majestät und Güte Gottes sich nicht beirren lässt, auch nach 2000 Jahren nicht.

Ein Grundmotiv des Neuen Testamentes lautet: „Ich will, dass ihr das Leben habt und dass ihr es in Fülle habt.“

 

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