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Spiritualität in der Academia Aurata?

18.04.2013 von Dr. Thomas Körbel

von Dr. Thomas Körbel, April 2013

Was ist das nur für ein inflationär gewordener Begriff? – „Spiritualität“.

Mir scheint, er bezeichnet inzwischen alles, was nur irgendwie anders religiös ist, als das allzu langweilige und bekannte kirchliche, alles, das irgendwelche Sehnsüchte ausdrückt, nach mehr Anerkennung, mehr Erfolg, mehr Beachtung, mehr Egostreicheleinheiten, schönerem Leben, so genannter positiver Lebenseinstellung, gesundheitlicher Selbstfürsorge, optimistischerem Blick auf das Wahre, Schöne und Gute, weil es alles andere ausblendet, möglichst unverbindlich daherkommt und niemandem weh tut. Am allerwenigsten dem jeweiligen "Ich", das keinen Schmerz mag und „liebgehalten“ werden möchte. 

Das alles ist natürlich „irgendwie“ auch Aurata. Und doch etwas anderes. 

Was erlebten wir anderes als andere Menschen? Nichts. Uns langweilten kirchliche Zustände, uns moralisierten Predigten zu Tode, sie gingen unseren Lebensfragen am A. vorbei. Wir haben uns nicht der jenseitsverklärten Hoffnung hingegeben, dass mit dem neuen Papst alles anders wird. Wenn ja, umso besser. Wenn er und mit ihm die kirchliche Hierarchie sich um die Bedürftigen, Ausgeschlossenen, Abgekanzelten kümmert, sind wir froh und dankbar und dabei. Abgekanzelt hat sich aber die Kirche selbst, diskreditiert (das kommt von „credo“, „ich glaube“ und bedeutet unglaubwürdig). Viele Menschen haben längst von kirchengleichen ihren Platz abgesprochen bekommen – und dies geschieht noch immer.

Aber nein, antworte ich, wenn ich gefragt werde. Nein. Ich bin nicht ausgetreten. Ich bin getauft. Ich bin niemals eingetreten, also kann ich auch nicht austreten. Das bedeutet nicht, dass ich irgendwo da drinnen eine Heimat hätte, von Amtsseite mit meinen von Gott erhaltenen Begabungen und Berufungen irgendwo in dem „Laden“ willkommen gewesen wäre. Jesu Gebot „bei Euch soll es nicht so sein“ habe ich oft genug vom kirchlichen Amtsschimmel (das grünlich wuchernde auf dem Brot des Lebens) gewiehert bekommen als „dann machen wirs noch schlimmer.“

Für mein Leben, meinen Glauben, meine „Spiritualität“ habe ich aber viele Antworten gefunden. Wenn in der dunklen Nacht meiner Seele, nachdem ich dahin- und weggeworfen mir vorkam das Licht der Auferstehung „Lumen Christi“ am Ostermorgen entzündet wurde; wenn Gott das Gute, das mit mir begonnen, vollenden möge; wenn Liebe die Moral besiegt, wenn Leben den Tod überwindet, wenn nicht „alles aus“ ist, auch wenn es schwierig wird. Bei vielen, vielen anderen Gelegenheiten habe ich Auferstehung, erlebt, bin Auferstandenen begegnet, fand und schenkte Erleuchtung, wurde und werde immer mehr Mensch und gebe dieser Welt als Symbol davon etwas wieder. Kirchliche Weisheit, liturgische Gebete sind auch Weisheit, sind auch Spiritualität. Ich habe keine Lust, im Gegenzug meines persönlichen Diskriminiertwerdens die Kirche rachefeldzugmäßig zu diskriminieren, das Kind kirchlicher Wertvorstellungen mit dem neuen Bad der getauften und geistbegabten Erleuchtung auszuschütten und selbst klein zu bleiben.

Ich werde nach Brot gefragt, wenn Menschen in der Kirche nur Steine bekamen, und auch wenn mein Brot weihefrei ist, teile ich es gerne mit jedem, der es will. Das ist Aurata.

Was ist jetzt genau diese in der Academia Aurata geteilte Spiritualität? Nun, es ist das, was ich von meinen Lehrern diesseits und jenseits irdischer Sichtbarkeit zu lieben gelernt habe. Es ist etwas, was außerhalb meiner Vorstellungen lag. Es war nichts an Wissen, nichts an Weisheit, nichts an Beziehung, weder im körperlichen noch im seelischen noch im geistigen, nichts an Schönheit, nichts an Liebe, nichts an Freundschaft, nichts an Sehnsucht und Erfüllung, nichts an Vergebung und nichts an Antworten – und doch ist es ein gewisses Wissen, eine Art Weisheit, eine Hauch von Beziehung, eine relative Schönheit, eine gewisse Form von Liebe und Freundschaft, eine vollendete Sehnsucht und unerwartete Erfüllung, eine gewisse Tiefe an Vergebung und eine verantwortbare Art von Antwort. Ein Weg. Mein Weg. Gehst Du ein Stück mit?

(leicht bearbeitete 2. Fassung, April 2013)

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