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Die Vereinfachungslüge

17.01.2015

von Stephan Gutte

Kennst Du auch dieses Gefühl, dass alles zu viel wird?
Handy, E-Mail, Termine und dieses verdammte Networking?
Ich bin mit meinen Tablett dauerhaft online. Falls ich dieses mal nicht in der Hand habe und mein Laptop oder Desktoprechner aus ist, habe ich „zum Glück“ mein Handy immer dabei. Morgens Facebook updaten und der obligatorische E-Mail-Check, welcher heute sicher wieder 100-mal wiederholt wird.

Ein Kollege, der heute bereits seinen verdienten Ruhestand genießt, hat mir von einer Zeit berichtet, wo man morgens den Briefkasten leerte und über den Tag die Post bearbeitete. Heute leidet er daran, dass eine Mail, die nicht innerhalb von zwei Stunden beantwortet wird, schon drei oder vier Erinnerungsmails zur Folge hat.

Alles wird schneller und komplizierter und wir zu Maschinen und Sklaven unseres Fortschritts.

Wie verlockend klingt der Slogan der Vereinfachung. 

Alles abspecken und ein einfaches überschaubares Leben führen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Aber natürlich gibt es dieses einfache Leben nicht geschenkt.
Etliche Ratgeber und Bewegungen, Vereine und Organisationen stehen mit Rat und Tat dem Vereinfachungsgedanken zur Seite.
Anscheinend steht vor dem einfachen Leben eine Menge Arbeit.
Eines der führenden Werke des einfachen Lebens schafft es, die Kunst auf über 400 Seiten kurz und bündig auf den Punkt zu bringen. Wenn Du Dich nun durch die 400 Seiten Vereinfachung gekämpft hast, platzt dir zwar der Kopf, aber das Leben ist ja dann einfacher und unkomplizierter, oder etwa nicht? 
Dem Leben Richtung geben.
Langsamer gehen, wenn Du es eilig hast.
To Do listen und Prioritätensetzung.

Alles richtig, aber einfach?

Ganz so einfach wohl doch nicht.
Es scheint immer komplexer in der Einfachheit zu sein …
Aus meiner Sicht ist dies alles unnötiger Ballast.
Solange Du Dich selbst kennst und nicht vor dem davonläufst, was Du in Dir trägst, wird nichts einfach sein.
Mir hat ein Seminar geholfen, wozu mich ein Freund einlud.
„Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke“ von meinen heutigen Kollegen der Academia Aurata.
In diesem Seminar wurde u.a. über die biblische Erzählung von Jona gesprochen.
Hier sei mir gestattet, dass ich ein gutes Verhältnis zu Gott habe, aber sicher kein Musterchrist im kirchlichen Sinne bin. Dennoch scheint an den Geschichten der Bibel was dran zu sein. Sie sorgen schließlich über 2000 Jahre nach Veröffentlichung noch auf Seminaren für so viel Gesprächsstoff.
Die biblische Erzählung beginnt damit, dass Jona von Gott den Auftrag erhält, nach Ninive zu gehen und der Stadt und ihren Bewohnern ob ihrer Bosheit ein Strafgericht Gottes anzudrohen. Jona macht sich zwar auf den Weg, aber nicht nach Ninive, sondern nach Jaffa (in die entgegengesetzte Richtung), wo er ein Schiff nach Tarsis besteigt. Gott entfacht einen gewaltigen Sturm, durch den das Schiff in Seenot gerät. Durch das Los wird Jona als Verantwortlicher entlarvt, der seine Schuld bekennt und vorschlägt, sich ins Meer werfen zu lassen. Jona wird von einem großen Fisch verschlungen. In dessen Bauch betet er und wird nach drei Tagen und drei Nächten wieder an Land ausgespien.
Jona erhält nun noch einmal denselben Auftrag wie zu Beginn; diesmal geht er tatsächlich nach Ninive, um dort zu verkündigen, dass nur noch vierzig Tage bis zur Zerstörung der Stadt bleiben.
Den Rest der Erzählung könnt Ihr in der Bibel im alten Testament nachlesen.

Die einfache Wahrheit

Was soll nun diese Geschichte bedeuten?
Für mich hat Jona folgende Botschaft: Nehmen wir an, wir alle sind ein Teil Gottes. Jona läuft vor Gott davon, also vor sich selbst und will sich nicht seiner Aufgabe stellen. Er wird jedoch recht unsanft wieder zurückgeholt und seiner ursprünglichen Aufgabe bewusst. Hier steckt die einfache Wahrheit drin, dass man vor sich selbst nicht weglaufen kann.

Es wird Dich einholen, früher oder später.

Aber auch das: Alles, was Du brauchst, steckt bereits in Dir. 

Du musst nur darauf hören und Dich nicht von Fischen verschlucken lassen oder auf stürmische See gehen.

Seit dem Besuch dieses Seminars ist mein Leben nicht wesentlich einfacher geworden, aber ich empfinde die vielen Dinge, die mich treffen gelassener.
Ich beschäftige mich nicht mehr damit, alles einfacher zu machen, lege die Lektüre über 400 Seiten zur Seite und versuche hinzuhören, was meine Aufgabe ist, um dieser zu folgen … ganz einfach.

Stephan Gutte

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